Die traurige Wahrheit: Ohne Hai kein Meer


Der Hai - das böse Monster aus der Tiefe, das nur auf unschuldige Surfer oder Schwimmer wartet, um dann kaltblütig anzugreifen. Das ist leider das Bild, das immer noch viel zu viele Menschen von diesem Meeresbewohner haben. Beheizt wird dieses Vorurteil durch die Filmindustrie und Filmklassiker wie ,,Der Weiße Hai" aus dem Jahr 1975. Tatsächlich ist es aber so, dass Haie eine unglaublich wichtige Rolle für die Gesundheit der Meere spielen und es ohne den Hai auch kein Meer gibt.
Weshalb das so ist und worin die größten Gefahren für die Haie liegen, erfährst du in diesem Blogartikel. Außerdem räumen wir mit den gängigsten Vorurteilen über Haie auf!

Die wichtige Rolle der Haie

Würde man uns Menschen fragen, würden wohl viele leider antworten, dass sie gut und gerne auf die Existenz der Haie verzichten können. Unsere Meere können das aber unter gar keinen Umständen!
Tatsächlich wäre das Aussterben der Haie fatal für das ökologische Gleichgewicht unter Wasser. Haie stehen fast schon immer an der Spitze der Nahrungskette im Ozean und sie jagen alte, kranke oder kleinere Fische. Dadurch halten sie die jeweiligen Fischpopulationen gesund und sorgen so für einen ausgeglichenen Bestand. Wissenschaftler konnten ganz eindeutig belegen, dass ein Rückgang der Haipopulation sich negativ auf die Bestände kommerziell relevanter Fischarten oder solcher, die für den Erhalt gesunder Korallenriffe bedeutsam sind, auswirken.
Das liegt einfach daran, dass zum Beispiel kleinere Raubfische im Bestand zunehmen würden und sich dies wiederum auf noch kleinere Fischarten, wie zum Beispiel den Papageifisch, der ein wichtiger pflanzenfressender Bewohner der Korallenriffe ist, auswirkt. Das Gleichgewicht in der Nahrungskette wäre nicht mehr gegeben. Wenn man weiterdenkt, hätte dieses unausgeglichene Verhältnis dann auch gravierende Folgen für große Teile der Bevölkerung im globalen Süden, die teilweise auf den Fischfang angewiesen sind.
Ein weiteres Beispiel für diese Verkettung findet sich bei den Tigerhaien. Tigerhaie ernähren sich hauptsächlich von Schildkröten, welche sich wiederum von Seegras ernähren. In der Abstinenz von Tigerhaien verbringen die Schildkröten sehr viel Zeit damit an derselben Stelle zu verweilen und das komplette Seegrasfeld abzugrasen, sodass dieses als Lebensraum unbrauchbar wird. Lauert jedoch die Gefahr von einem Tigerhai angegriffen zu werden, so sind die Schildkröten nicht ausschließlich mit dem Fressen beschäftigt und bewegen sich über verschiedene Seegrasfelder hinweg.
Schildkröte im Seegrasfeld
Haie bekommen außerdem nur vergleichsweise selten Nachwuchs. Einige Haiarten gebären ihre Jungen lebendig, während andere Arten Eier legen. Bei den meisten Haien kann es Jahre dauern, bis sie den nächsten Nachwuchs zur Welt bringen. Im Gegenteil, zu den meisten Fischarten, die abertausende Eier legen und ständig Junge nach schlüpfen. Auf Dauer würde die Fischpopulation, bei einer weiterhin sinkenden Anzahl an Haien, schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Forscher vermuten sogar, dass ein Korallenriff komplett ohne die Anwesenheit von Haien innerhalb eines Jahres absterben würde.

Seit Millionen Jahren in der Tiefe der Ozeane unterwegs

Haie existieren bereits seit unfassbaren 400 Millionen Jahren auf diesem Planeten! Sie überlebten sogar das Aussterben der Dinosaurier und gehören somit zu den ältesten Tierarten weltweit. Umso trauriger ist es, dass ein Großteil der rund 500 Haiarten mittlerweile massiv vom Aussterben bedroht ist.
Vorurteile und Falschaussagen über Haie
Doch obwohl Haie eine so wichtige Rolle im Ökosystem tragen, gibt es immer noch mehrere Irrtümer und Vorurteile über diese faszinierenden Wesen. Die weit verbreitetsten Falschaussagen haben wir hier mal für dich gesammelt und berichtigt!

Der weiße Hai ist das gefährlichste Tier

Spätestens seit Filmen wie ,,Der Weiße Hai", ,,Open Water" oder ,,The Shallows" lebt das Bild des bösen weißen Hais in den Köpfen vieler. Es ist in der Tat auch so, dass der weiße Hai zu den wenigen Haiarten zählt, die vereinzelt Menschen angreifen. Allerdings kommt es nur äußerst selten zu Zwischenfällen dieser Art und die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF hat seit 1958 gerade einmal 205 Attacken auf Menschen durch den Weißen Hai festgestellt.
Ein Vergleich: Durch einen Haiangriff sterben jährlich etwa 100 Menschen, durch Unfälle mit Hunden, verunglücken dahingegen rund 25.000 Menschen pro Jahr.

Haie fressen Menschen

Doch durch den Umstand, dass Hai-Attacken auf den Menschen hin und wieder mal geschehen, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Haie Menschen fressen würden. Dabei stehen wir gar nicht auf dem Speiseplan dieser gefährlich anmutenden Tiere. Haie ernähren sich von kleinen Walen, Robben, Pinguinen, Delfinen und größeren Raubfischen.
Weißer Hai
In einigen wenigen Fällen kommt es tragischerweise vor, dass ein Mensch vollständig von einem Hai verspeist wird. Meist geschieht ein Angriff auf den Menschen aber durch Neugierde oder die Bedrohung durch das unbekannte Objekt an der Wasseroberfläche. Immer häufiger spricht man deshalb von einem Hai-Unfall, anstelle eines Haiangriffs.

Haie verwechseln Surfer mit Robben

Im Zusammenhang mit den Unfällen kommt es auch zu einem weiteren weit verbreitetem Irrtum: Haie greifen Surfer an, weil sie diese mit ihrer Beute, den Robben verwechseln. Laut neuesten Erkenntnissen scheint diese Aussage jedoch nicht zuzutreffen. Die Bissspuren sind nicht tief genug, um auf einen ernsthaften Angriff und Tötungsversuch schließen zu können. Vielmehr vermutet man einen Testbiss hinter diesem Verhalten.

Haie werden von Menschenblut angelockt

Viele Urlauber*innen sind besorgt auf offener See schwimmen zu gehen, wenn sie eine Verletzung oder ihre Periode haben. Dies ist ebenfalls auf die vielen Filme zurückzuführen, in denen ein Hai aus kilometerweiter Entfernung von einem Tropfen Blut angelockt wird und den Surfer oder Schwimmer im Blutrausch zerfleischt. Und ja, es stimmt tatsächlich, dass Haie bei guten Bedingungen Blut über etwa ein bis zwei Kilometer Entfernung riechen können. Allerdings reagieren sie dabei nicht auf den Geruch von menschlichem Blut, sondern auf Fischblut.
Für das Aufspüren ihrer Beute nutzen Haie zudem meist die sogenannten Lorenzinischen Ampullen, die rund um ihre Schnauze angesiedelt sind. Mithilfe dieser winzig kleinen Sensoren können Haie elektromagnetische Felder, ausgelöst durch die Bewegung oder den Herzschlag eines Tieres, wahrnehmen. Das macht den Hai zu einem so erfolgreichen Räuber.

Der Weiße Hai ist die größte Haiart

Auch wenn der bis zu sechs Meter lange Weiße Hai eine stolze Größe aufweisen kann, gehört er damit nicht zu der größten Haiart. Noch größer wird der Riesenhai mit bis zu zehn Metern Länge. Platz eins belegt aber der Walhai. Diese Haiart kann zwischen 12 und 14 Meter lang werden. Trotz ihrer enormen Größe, gehören Walhaie jedoch zu den harmlosesten Haien überhaupt und sie ernähren sich ausschließlich von tierischem Plankton.
Walhai
Der größte Hai in der Geschichte unserer Erde war aber vermutlich der Megalodon. Forscher gehen davon aus, dass diese Haiart bis zu 20 Meter lang werden konnte. Über das genaue Aussehen lassen sich aber nur Vermutungen anhand versteinerter Zähne des Megalodons aufstellen. Da Haie zu den Knorpelfischen gehören und ihr Skelett aus Knorpeln und nicht aus Knochen besteht, gibt es keine Knochenfunde wie bei den Dinosauriern.

Vom Jäger zum Gejagten

Obwohl immer mehr Arbeit zur Aufklärung all dieser Vorurteile getan wird, steht es leider immer schlechter um den Verbleib der meisten Haie. Gegenüber den 100 Menschen, die jährlich durch von einem Hai angegriffen werden, stehen rund 100 Millionen durch den Menschen getötete Haie pro Jahr. Heute sind bereits mehr als 75 % aller Haie akut vom Aussterben bedroht.
Hinter diesen brutalen Schlachtungen steckt nicht nur die Angst vor den bis zu sechs Meter langen Tieren. Haie verenden teils unbeabsichtigt, indem sie als Beifang in den Fischernetzen landen. Meist wird aber bewusst Jagd auf die Haie gemacht, um an das Fleisch oder die Flossen zu gelangen. Haifischflossen gelten vielerorts als Delikatesse oder Medizin und werden den Haien durch das sogenannte Finning brutal entfernt.

Millionen Haie werden durch das Finning getötet

Schätzungen zufolge ereilt dieses Schicksal etwa 63 Millionen bis zu 273 Millionen Haien pro Jahr. Ihnen wird bei lebendigem Leibe die Flosse abgeschnitten und der Körper wird dann zurück ins Meer geworfen, wo die Haie schließlich qualvoll verenden.
Im Ozean werden die verwundeten Haie dann entweder von anderen Tieren aufgefressen oder sie ersticken. Haie müssen sich nämlich dauerhaft fortbewegen, um über ihre Kiemen sauerstoffreiches Wasser aufzunehmen. Ohne ihre Flossen ist das nicht mehr möglich.

Es gibt noch Hoffnung

Um die Haie vor dem Aussterben zu schützen, ist es deshalb umso wichtiger, über diese tollen Tiere und ihre wichtige Rolle im Ozean aufzuklären. Durch gezielte Projekte und Druck auf die Politik, können wir gegen die Jagd auf Haifische vorgehen und dafür sorgen, dass ihnen noch weitere Jahrhunderte auf der Erde übrig bleiben.
Wir haben uns für unsere neue Special Edition deshalb mit einer Organisation zusammengetan, die sich für den Schutz der Fuchshaie auf der indonesischen Insel Alor einsetzt. Was das Ziel dieses Projektes ist und weshalb der Fuchshai dort besonders gefährdet ist, erfährst du in unserem nächsten Blogartikel!

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