Mikroplastik im Körper


Immer häufiger wird man mit dem Begriff ,,Mikroplastik" konfrontiert und damit, wie schädlich dieses ist. Doch was ist das eigentlich genau, wie kommt Mikroplastik in unseren Körper und ist das gefährlich für unsere Gesundheit? Und können wir etwas dagegen tun? All diese Fragen beantworten wir dir in diesem Artikel!

Was ist Mikroplastik?

Von Mikroplastik spricht man bei winzig kleinen Kunststoffpartikeln mit einem Durchmesser zwischen 0,0001 Millimetern und maximal fünf Millimetern. Dabei unterscheiden Forscher zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik.
Bei primärem Mikroplastik handelt es sich um industriell hergestellte Kunststoffteilchen, die dann in bestimmten Produkten gezielt eingesetzt werden. Beispiele dafür sind Polyethylen (PE), Polyethylenterephtalat (PET) und Polyamid (Nylon). Sekundäres Mikroplastik hingegen entsteht, sobald der Abbau und die Zerkleinerung eines Kunststoffes einsetzt.

Wie gelangt Mikroplastik in den menschlichen Körper?

Laut Berechnungen des WWFs, nehmen wir pro Woche rund fünf Gramm an Plastik in dieser Form auf. In anderen Worten: Pro Woche isst jeder von uns etwa eine Kreditkarte und ca. 260 Gramm Mikroplastik pro Jahr. Sicherlich hattest du gestern keine Kreditkarte zum Abendessen... doch wie gelangen diese winzig kleinen Partikel denn dann in unseren Körper?
pro Woche eine Kreditkarte Mikroplastik WWF
Dies geschieht unbewusst und unabsichtlich über viele verschiedene Wege, die wir hier für dich aufgeführt haben:

Mikroplastik im Meer

Offensichtlich gelangt sekundäres Mikroplastik über unseren Plastikmüll im Meer, der sich dort in tausende kleine Partikel zersetzt oder zuvor über Flüsse oder den Boden im Wasser landet. 
Doch auch primäres Mikroplastik fließt über unser Abwasser in die Gewässer dieser Welt. Der größte Anteil, mit 35 Prozent, gerät über das Waschen von Textilien aus Kunststofffasern in das Abwasser. Pro Waschgang sind das etwa 2.000 winzig kleine Teilchen. Von der Waschmaschine fließt das Wasser in die Kanalisation und schließlich dann in die Kläranlagen. Leider ist es dort heutzutage noch nicht möglich die weniger großen Partikel komplett auszusieben.  Daraufhin landet dieses Wasser in Bächen und Flüssen und unter Umständen dann auch im Meer. Außerdem wird der Klärschlamm als Dünger verwendet, weshalb das Mikroplastik über die Felder dann auch in unsere Böden sickert. Von dort aus wird es dann durch Hochwasser in Flüsse und Meere geschwemmt oder landet direkt im Grundwasser.
Einmal im Ozean angekommen, werden die kleinen Teilchen aus Kunststoff nicht selten mit Nahrung verwechselt und von den Meeresbewohnern gefressen. Doch auch, wenn sich die Partikel vorher zersetzen, werden Pestizide oder Weichmacher freigesetzt und von Plankton oder Fischlarven aufgenommen, welche wiederum als Nahrung für größere Fische dienen. Durch den Verzehr von Fisch nehmen wir das Mikroplastik dann über die Nahrung in den menschlichen Körper auf.

Mikroplastik in der Luft

Mittlerweile vermuten Forscher, dass Mikroplastik auch über die Luft verbreitet werden kann und sich in Regentropfen oder Schneeflocken niederlässt. Nach einer aktuellen Studie durch Forscher am Alfred-Wegener Institut konnte Mikroplastik bereits in Schneeproben nachgewiesen werden.
Normalerweise verfügt unser Körper über natürliche Mechanismen, wie Schleimhäute in Mund, Nase und Rachen, die die Aufnahme kleinster Partikel verhindern sollen. Allerdings hat Mikroplastik eine andere Zusammensetzung, weshalb dieses dennoch in den menschlichen Körper gelangen und sich dort einlagern könnte. Eindeutige Beweise für diese Theorie konnten Forscher und Wissenschaftler bisher aber noch nicht liefern.

Mikroplastik in Kosmetikprodukten

In vielen Kosmetikprodukten ist Mikroplastik enthalten. Etwa in Zahncremes, Handwaschmitteln und vor allem aber in Peelings und Duschgels. In Europa soll die Nutzung von Mikroplastik in Kosmetika ab dem Jahr 2022 aber stark eingeschränkt werden.

Sonstiges Vorkommen

Mikroplastik kommt zudem in vielen weiteren Dingen des täglichen Lebens vor und wird an unseren Körper oder an die Umwelt abgegeben. 
So konnten Plastikpartikel im Trinkwasser aus Plastikflaschen und in kleinerer Konzentration sogar in Glasflaschen nachgewiesen werden. Bei den Plastikflaschen lösen sich die winzigen Partikel aus Plastik von der Flaschenwand und gelangen so in das Wasser. Bei den Flaschen aus Glas gehen Forscher davon aus, dass das Mikroplastik über den Reinigungsprozess in das Innere der Flaschen gelangt ist. 
Zudem wurde festgestellt, dass sich die Kunststoffpartikel bei Babyflaschen aus Plastik ablösen und so in die Flüssignahrung des Babys gelangen. Vor allem bei erhöhter Temperatur können sich die Teilchen eher unter die Kindermilch mischen. Deshalb sollte die Babynahrung vor dem Befüllen der Flasche abkühlen, die Plastikflasche nach dem Füttern sterilisiert und kalt abgespült oder einfach direkt Flaschen aus Glas verwendet werden.
Während wir unseren Haushalt sauber halten, verschmutzen wir dabei unbeabsichtigt unser Abwasser mit kleineren Plastikteilchen. So ist Mikroplastik in vielen Wasch- und Putzmitteln oder Weichspülern enthalten. Außerdem werden die kleinen Partikel bei der Nutzung von Mikrofasertüchern oder auch Spülschwämmen freigesetzt. 
Übrigens: wusstest du, dass sich winzig kleine Mikroplastikpartikel ebenfalls in unseren Schuhsohlen befinden, die durch den Abrieb beim Gehen an unsere Umwelt abgegeben werden?
Eine der größten Quellen für Mikroplastik in Luft, Erde und Grundwasser ist aber der Abrieb von Autoreifen auf unseren Straßen. Laut Wissenschaftler sind das etwa mehrere Tausend Tonnen Plastikpartikel, die auf diesem Weg in unsere Umwelt gelangen.
Schuhsohle Mikroplastik Abrieb

Auswirkungen im Körper

Welchen Schaden Mikroplastik im menschlichen Körper anrichtet und ob es gewisse Krankheiten hervorrufen kann, konnte bisher noch nicht final festgestellt werden. 
Es wurde in mehreren Studien aber bereits untersucht, welche Auswirkungen Mikroplastik auf Tiere, wie beispielsweise Wale oder andere Meeresbewohner haben kann. Denn nicht zu selten kennen wir die Bilder von gestrandeten Walen, deren Mägen voller Plastik sind. So schließen Forscher darauf, dass die Kunststoffteilchen Schäden im Magen-Darm-Trakt und ein dauerhaftes Sättigungsgefühl hervorrufen können. Weitere mögliche Folgen sind Beeinträchtigungen in der Fortbewegung und im Wachstum, sowie Schwierigkeiten bei der Fortpflanzung. In einigen Studien konnten Wissenschaftler sogar Verhaltensänderungen bei Einsiedlerkrebsen beobachten.
Unter anderem konnte aber das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) durch eine Studie auch Mikroplastik im menschlichen Stuhlgang und so auch in unserem Magen-Darm-Trakt nachweisen. Jedoch ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unbekannt, wie das Mikroplastik in unserem Körper aufgenommen wird, wie gefährlich das für uns ist und wie die Langzeitfolgen aussehen könnten. Bisher konnten nur Vermutungen über die Auswirkungen aufgestellt werden, u.a. dass die Plastikpartikel wie eine Art Magnet für andere Schadstoffe wirken und Pestizide, Weichmacher und weitere Umweltgifte an sich binden könnten. Zudem wird vage vermutet, dass die Einlagerungen zu Entzündungen im Körper oder sogar zur Bildung von Tumoren führen könnten. 
Auch die Folgen von Mikroplastik, das wir über die Atmung in unsere Lungen aufnehmen, sind noch völlig unklar. Vor allem, da sich die Forscher immer noch uneinig sind, ob und in welchen Mengen die Kunststoffpartikel in unseren Körper gelangen und es dazu bisher an einer passenden Studie mangelt.

Wie lässt sich Mikroplastik vermeiden?

Erstmal also kein Grund zur Sorge? Allein unserer Umwelt zuliebe, sollten wir Mikroplastik so gut wie möglich vermeiden. 

Auf Plastik verzichten

Ein erster großer Schritt ist natürlich der Verzicht auf Plastik im Allgemeinen, da hier Mikroplastik beim Zerfall in unsere Umwelt gelangt. In einem anderen Blogartikel haben wir dir bereits einige Tipps aufgeführt, wie du ein Leben ohne Plastik führen kannst. Unterstützung gibt es dabei auch seit kurzem durch die Verordnung der Bundesregierung. Demnach wird der Verkauf von Einmalartikeln aus Plastik, wie Wattestäbchen, To-Go-Verpackungen, Teller und Trinkhalmen, seit Juli 2021 verboten. 
Auch für die Mikroplastikfallen in unserem Alltag gibt es bereits sehr gute Alternativen:
  • Studien zufolge nimmt der Körper beim Konsum von Leitungswasser nur 4.000 Teilchen pro Jahr auf, anstelle von 90.000 Teilchen, wenn man nur Getränke aus Plastikflaschen zu sich nimmt. Umweltschonender ist der Verzicht auf Flaschen aus Plastik obendrein!plastikflaschen mikroplastik plastikmüll
  • Das Problem mit den Schuhsohlen lässt sich durch eine Sohle aus Leder oder biologisch abbaubarem Naturkautschuk lösen. 
  • Anstelle von Mikrofasertüchern oder Spülschwämmen aus Kunstfasern, kannst du einfach Lappen aus Baumwolle nehmen. 
  • Synthetikfasern werden häufig in Sport- und Funktionskleidung, Strumpfhosen, Socken und Shirts verwendet und setzt sich beim Waschen in unser Abwasser frei. Besser ist hier z.B. Kleidung aus Bio-Baumwolle

    ,,CodeCheck" und der Einkaufsratgeber vom Bund für Umwelt und Naturschutz

    Generell lohnt sich beim Einkaufen ein Blick auf das Etikett. Stoffe wie Acrylates Copolymer (AC), Polyamide (PA), Polypropylen (PET) oder Polyurethan (PUR), geben einen Hinweis auf Mikroplastik und sollten vermieden werden. Falls du dich auf dem Gebiet noch nicht so auskennst oder dir unsicher bist, empfehlen wir dir die kostenlose App ,,CodeCheck”. Mit dieser kannst du einfach den Barcode einscannen und die App zeigt dir, welche Inhaltsstoffe sich in dem Produkt verstecken. 
    Mehr zum Thema findest du außerdem beim Einkaufsratgeber des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Hier wird Kosmetika aufgelistet, die Mikroplastik und weitere Kunststoffe enthält. 

    Reifenabrieb vermeiden

    Um das Problem mit dem Mikroplastik durch Reifenabrieb zu lösen, wird empfohlen auf das Auto zu verzichten und auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.
    Lässt sich eine Fahrt mit dem Auto aber nicht vermeiden, solltest du möglichst vorausschauend fahren, um abruptes Bremsen oder abruptes Anfahren zu minimieren. Außerdem arbeiten Wissenschaftler bereits an Alternativen aus Löwenzahnkautschuk oder veränderten Abriebkonzepten.
    Auch wenn wir aktuell noch kaum etwas über Mikroplastik wissen, werden wir in Zukunft sicherlich noch mehr zum Thema Mikroplastik und dessen Folgen hören. Darüber, dass Plastik schädlich für uns und unsere Umwelt ist, sind sich die Forscher und der Großteil der Bevölkerung aber bereits einig und so sollte jeder von uns sein Bestes tun, um Plastik im Alltag zu vermeiden!

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